Betriebssystem Conti und ZF investieren in Software-Start-up

Von Sven Prawitz

Das deutsch-amerikanische Start-up Apex.AI erhält fast 60 Millionen US-Dollar. Zu den Finanziers gehören neben den beiden Zulieferern auch Autohersteller.

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Apex.AI entwickelt einen Software-Werkzeugkasten, mit dem sich Betriebssysteme und Middleware entwickeln lassen.
Apex.AI entwickelt einen Software-Werkzeugkasten, mit dem sich Betriebssysteme und Middleware entwickeln lassen.
(Bild: Continental)

Das Software-Unternehmen Apex.AI bekommt über 56 Millionen US-Dollar an frischem Kapital. Unter anderem beteiligen sich die Zulieferer Continental, Hella und ZF am Start-up. Aber auch Jaguar Land Rover, Volvo und Toyota sind über ihre jeweiligen Beteiligungsgesellschaften künftig vertreten.

Die „Apex.OS“ genannte Software wurde Anfang 2021 vom Tüv zertifiziert und soll bei Toyota in der Software-Plattform Arene eingesetzt werden.

Conti und ZF arbeiten an Auto-Software

Wie ZF mitteilt, erwerben die Friedrichshafener einen Anteil von fünf Prozent an Apex. Außerdem wolle man eigene sogenannte Middleware auf Basis von Apex.OS entwickeln. Durch die Zertifizierung durch den Tüv „können wir unseren Kunden eine Alternative zu Autosar Adaptive bieten“, sagt Nico Hartmann, Leiter des ZF Global Software Center. Grund ist laut Hartmann, dass das Betriebssystem mit der Programmiersprache C++ geschrieben ist. Einzelne Bausteine des Codes könnten so für neue Projekte wiederverwendet werden.

Continental möchte die Höhe seiner Beteiligung nicht offen legen. Der Zulieferer teilt mit, dass man seit etwa einem Jahr mit Apex an einem Betriebssystem für Fahrzeuge arbeite. Durch den nun erfolgten Invest soll dieses Produkt zügig serienreif werden. „Mithilfe von Apex.OS werden wir die Entwicklungszyklen von neuen Funktionen vor allem für das automatisierte und autonome Fahren signifikant verkürzen“, sagt Frank Petznick, Leiter der Geschäftseinheit Fahrerassistenzsysteme bei Continental.

Globale Expansion

Apex.AI wird die Mittel für den internationalen Ausbau der Aktivitäten und die Expansion in Märkte außerhalb der Mobilitätsindustrie nutzen, heißt es in einer Mitteilung. Darunter Fahrzeuge für die Landwirtschaft und den Bergbau aber auch in der industriellen Automatisierung und für das Internet der Dinge (IoT). Das Unternehmen hat aktuell weltweit vier Niederlassungen. In Asien werde zunächst in Japan ein weiterer Standort eröffnet. Vor Kurzem hatte Apex.AI neue Büros in Stuttgart und Palo Alto, Kalifornien, eröffnet.

Was macht Apex.AI?

Im Gespräch beschreibt Jan Becker die Software Apex.OS als „Betriebssystem für automatisiertes Fahren und allen Funktionen, die auf Domänen-Controllern und Hochleistungs-PCs laufen“. Es handele sich aber nicht um ein Betriebssystem wie Windows, das dem Nutzer diverse Anwendungen zur Verfügung stelle. Apex.OS sei ein Software Development Kit – also ein Werkzeugkasten, um Software zu entwickeln. Dieser Werkzeugkasten enthält zum Beispiel standardisierte Befehle, um etwa Sensordaten einlesen zu können. Im Fahrzeug arbeitet Apex.OS im Hintergrund und wird für Basisfunktionen eingesetzt, beispielsweise um Hardware mit Software-Module zu vernetzen. Das Betriebssystem bilde laut Becker einen wichtigen Standard, mit dem diverse Funktionen schnell und günstig entwickelt werden können, sei aber nicht wettbewerbsdifferenzierend mit Blick auf die Automobilhersteller.

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