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Wirtschaft Kommentar: Lichtblick Brennstoffzelle

| Autor/ Redakteur: Claus-Peter Köth / Thomas Günnel

Die Automobilzulieferer erleben gerade eine schwere Zeit, die teilweise Abkehr vom Verbrennungsmotor wird in den Fertigungswerken spürbar. Ein möglicher Ausweg ist eine Technik, die es schon seit Jahrzehnten gibt – und die mehr kann, als nur Autos elektrisch anzutreiben.

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Claus-Peter Köth, Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
Claus-Peter Köth, Chefredakteur der Fachzeitschrift »Automobil Industrie«.
(Bild: Stefan Bausewein)

Bosch, Brose, Conti, Leoni, Magna, Mahle, Preh: die Liste der Automobilzulieferer, die Kurzarbeit angemeldet oder gar den Abbau von Personal angekündigt haben, ist lang – und wird täglich länger. Insbesondere der erfolgsverwöhnte Süden der Republik leidet unter dem Einbruch in der Automobilindustrie. Kern des Übels ist zum einen der Rückgang bei den weltweiten Produktionszahlen, allen voran in China mit einem zweistelligen Minus.

Zum anderen ist es der technologische Wandel – weg vom Verbrenner, rein in die E-Mobilität – dessen Rasanz die Branche überrascht hat. Ausgelöst haben ihn die vor Jahresfrist verschärften EU-Grenzwerte mit noch einmal 37,5 Prozent weniger CO2-Ausstoß in der Pkw-Flotte von 2021 bis 2030. Die Industrie und ursprünglich auch die Bundesregierung hatten mit 30 Prozent geplant.

Den Zulieferern fehlt die Zeit für eine sanfte Umstellung ihres Portfolios.

VW-Chef Herbert Diess sah schon damals „alleine bei VW bis zu 100.000 Jobs in Gefahr“. Schließlich hatten die OEMs gehofft, künftige CO2-Grenzwerte im Wesentlichen mit Hybridantrieben erfüllen zu können. Das wiederum hätte auch den Zulieferern ausreichend Zeit für eine sanfte Umstellung des Portfolios gegeben. Zeit, die sie jetzt nicht mehr haben. Denn mehr reine E-Mobilität bedeutet für sie weniger Beschäftigung, weil der E-Antrieb weniger Teile hat und weil die OEMs zunächst ihre eigenen Komponentenwerke transformieren.

Jobs in der Brennstoffzellenfertigung

Einen Lichtblick für die gebeutelten Antriebsspezialisten gibt es dennoch: die Brennstoffzelle. „Das System hat den Vorteil, dass es einem Verbrennungsmotor mit Ventilen, Pumpen und anderen Teilen mehr ähnelt als einem batterieelektrischen Antrieb; und mehr Komponenten erfordert“, erklärt Jürgen Gerhardt, Produktbereichsleiter mobile Brennstoffzelle bei Bosch.

Doch woraus resultiert der aktuelle Hype um die Brennstoffzelle? Erneut sind es EU-Flottenvorgaben. Dieses Mal jedoch für Lkws, wo bis 2025 eine CO2-Minderung um 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent vorgesehen ist. Und batterieelektrische 40-Tonnen-Lkws sind nicht sinnvoll – diese Erkenntnis ist selbst in der Politik mittlerweile gereift. Aber auch im Pkw hat die Technik Potenzial. Sogar VW plant mit der „Modularen Plattform Elektro“ eine weitere Fahrzeugarchitektur, die Ende des nächsten Jahrzehnts dann auch die Brennstoffzelle in die Modelle des Konzerns bringen kann.

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