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Automobilzulieferer Asahi Kasei: Gekommen, um zu bleiben

| Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Sven Prawitz

Der Automobilzulieferer Asahi Kasei expandiert in Europa und verfolgt dabei einen besonderen Marktzugang. Grund ist das extrem breite Portfolio des Unternehmens.

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Mit dem Konzeptfahrzeug „AKXY“ zeigt Asahi Kasei, welche Produkte und Technologien der Zulieferer der Automobilindustrie anbietet.
Mit dem Konzeptfahrzeug „AKXY“ zeigt Asahi Kasei, welche Produkte und Technologien der Zulieferer der Automobilindustrie anbietet.
(Bild: Asahi Kasei/Mari Kusakari )

Alter: 100 Jahre. Mitarbeiter: mehr als 39.000. Umsatz: umgerechnet fast 18 Milliarden Euro. Mit diesen Kennzahlen ist die japanische Asahi Kasei Corporation ohne Zweifel ein namhaftes und global agierendes Unternehmen. Auch die Produktpalette ist beeindruckend: Als Chemieunternehmen gestartet, bietet Asahi Kasei heute ein breites Spektrum an Werkstoffen und Komponenten. Es reicht von technischen Kunststoffen und Schäumen über Fasern und Textilien bis hin zu Sensoren und Audiosystemen.

Vor fünf Jahren entschied der Unternehmensvorstand, das Automobilzuliefergeschäft zu forcieren und dabei vor allem Europa in den Blick zu nehmen. Während die räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen wurden, stellten sich den Europa-Managern die Fragen: Wie präsentiert man ein derart breites Portfolio und setzt Unterscheidungskriterien im bereits gut besetzten Markt der Zulieferer?

Eigenes Konzeptfahrzeug

Eine gute Idee war es sicherlich, einen bunten Strauß an Produkten und Technologien aus der eigenen Entwicklung in ein Konzeptfahrzeug zu integrieren. Asahi Kasei zeigte den „AKXY“ im Herbst 2018 erstmals in Europa und schickte ihn dann auf die Reise zu Messen und Demo-Veranstaltungen bei Autoherstellern und Tier-1-Zulieferern.

In diesem Fahrzeug sind 36 Werkstoffe und Komponenten aus eigener Fertigung verbaut – vom synthetischen Leichtlauf-Kautschuk für die Reifen über Sitzbezüge und Leichtbau-Partikelschäume bis hin zu diversen elektronischen Komponenten und Systemen wie Radarsensoren und einer Vitalfunktion-Überwachung des Fahrers.

Ausbau durch Übernahmen

Ein weiterer Schritt war die Eröffnung eines Labors in Dormagen, nicht weit von der Europazentrale in Düsseldorf. Außerdem tätigte Asahi Kasei in den vergangenen Jahren diverse Zukäufe. Dazu gehört Polypore, ein bis dahin starker Wettbewerber bei Separatoren für Lithium-Ionen-Batterien (im Jahr 2015) und Sage, weltweit tätiger Spezialist für Textilien im Automobil (2018).

Parallel dazu galt es den Bekanntheitsgrad zu steigern und letztlich Aufträge zu gewinnen. Das ist die zentrale Aufgabe von Heiko Rother, seit 1. Januar 2018 im Unternehmen und General Manager für das Business Development im Automotive-Geschäft. Sein Ansatz: „Weil wir eine Vielzahl an Technologien und Produkten unter einem Dach bieten, hat unser Portfolio aus Kundensicht das Potenzial, das Automobil zu vereinfachen und Systeme neu zu denken.“ Dazu könnten zum Beispiel auch Anwendungen aus der Healthcare-Sparte von Asahi Kasei gehören.

Es ist nicht leicht, bei den OEMs und Systemlieferanten adäquate Ansprechpartner für übergreifende Lösungen zu finden.

Heiko Rother, Asahi Kasei Europe

Das sind sicherlich gute Alleinstellungsmerkmale – die aber die Kundenansprache zunächst einmal erschweren: „Es ist nicht leicht, bei den OEMs und Systemlieferanten adäquate Ansprechpartner für übergreifende Lösungen zu finden, wie wir sie realisieren können“, so Rother.

Als Tier-2-Zulieferer im Austausch mit OEMs

Dass der Manager und sein Team dabei zweigleisig fahren und sowohl die Automobilhersteller als auch die Tier-1 ansprechen, hat gute Gründe: „Als Tier-2-Lieferant beliefern wir nicht direkt die OEMs. Aber die Autohersteller entscheiden letztlich die Richtung. Sie sind auch viel näher am Autokäufer und seinen Wünschen. Wenn wir mit ihnen sprechen, können wir sicherstellen, dass wir auch in fünf oder zehn Jahren genau die Lösungen anbieten, die Tier-1 und OEMs dann gleichermaßen benötigen.“

Bei solchen Gesprächen präsentiert Asahi Kasei auch eigene Roadmaps: „Wir möchten erfahren, ob wir auf dem richtigen Weg sind, und was die Endkunden interessiert. Dabei sind wir immer offen für neue Herausforderungen – auch weil wir überzeugt sind, dass die Automobilhersteller und Tier-1-Lieferanten allein nicht die kommenden Megatrends stemmen werden. Hier sind auch leistungsfähige Lieferanten in zweiter Reihe gefragt, und wir sehen, dass eine zunehmende Zahl an OEMs diese Meinung teilt.“ Gleichzeitig profitieren die Tier-1, wenn ihnen Asahi Kasei die Arbeit im Sinne von Bauteilintegration und Reduzierung von Komplexität erleichtert.

Viele Megatrends im Fahrzeug-Innenraum

Dass bei einigen dieser Megatrends der Innenraum eine größere Bedeutung bekommt, passt zum Angebot von Asahi Kasei. „Unsere Marktstudien zeigen: Das Interieur ist kaufentscheidend und wird an Relevanz weiter zunehmen. Zudem sind nur noch 50 Prozent der Autokäufer markentreu. Hier steckt ein enormes Potenzial für die Automobilhersteller, neue Kunden zu gewinnen. Dabei möchten wir sie unterstützen und sind überzeugt, hier wirklich interessante Möglichkeiten anzubieten“, erläutert Heiko Rother.

Die Umsetzung geschieht – wie man es von japanischen Unternehmen kennt – konsequent und mit langem Atem. Asahi Kasei demonstriert mit seinen Investitionen, dass das Unternehmen gekommen ist, um zu bleiben. Aktuell befindet sich ein neuer Standort im schicken Düsseldorfer Hafen in Bau. Dort entstehen Büros sowie Labor- und Technikräume in offener Struktur. Der Einzug ist für den Jahreswechsel geplant.

Asahi Kasei will Marktbedeutung weiter steigern

Und die Expansion wird nicht nur organisch vorangetrieben. Anfang März teilte Asahi Kasei die Übernahme des Autositzbezug-Geschäftes von Adient mit. Mit dieser Akquisition wird das Geschäft der Tochtergesellschaft Sage Automotive Interiors weiter gestärkt und ausgebaut. Asahi Kasei bleibt also entschlossen, seine Marktbedeutung als internationaler Autozulieferer zu steigern – insbesondere in Europa.

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