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Preisverleihung

Die innovativsten Zulieferer und Hersteller: Daimler räumt ab

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Die Beratungsfirma PwC und das Center of Automotive Management haben gestern Awards für innovative Produkte an Zulieferer und Hersteller verliehen. Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann berichtete auf der Veranstaltung von der Neuausrichtung des Autobauers.

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Prof. Stefan Bratzel vom CAM (links) mit den Vertretern der prämierten Unternehmen (v. li.): Markus Richter von Hella, Gerhard Steiger von Bosch, Mirjam Berle von Goodyear Dunlop, Gunnar Herrmann von Ford Deutschland, Nikolai Ardey von Audi, Markus Schäfer von Daimler, Barbara Hahlweg, Moderatorin vom ZDF, Jürgen Keller von Hyundai Motor Deutschland, Aiden He von SAIC Roewe, Arnold Schenn von BMW, Helmut Matschi von Continental, und Felix Kuhnert, Global Automotive Leader bei PwC.
Prof. Stefan Bratzel vom CAM (links) mit den Vertretern der prämierten Unternehmen (v. li.): Markus Richter von Hella, Gerhard Steiger von Bosch, Mirjam Berle von Goodyear Dunlop, Gunnar Herrmann von Ford Deutschland, Nikolai Ardey von Audi, Markus Schäfer von Daimler, Barbara Hahlweg, Moderatorin vom ZDF, Jürgen Keller von Hyundai Motor Deutschland, Aiden He von SAIC Roewe, Arnold Schenn von BMW, Helmut Matschi von Continental, und Felix Kuhnert, Global Automotive Leader bei PwC.
(Bild: PwC)

Die Beratungsfirma PwC und das Center of Automotive Management (CAM) haben gestern Abend in Frankfurt am Main die sogenannten Automotive-Innovations-Awards an Autohersteller und Zulieferer verliehen. Dort diskutierten Conti-Vorstand Helmut Matschi, Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann, Axel Heinrich, Leiter der Konzernforschung von Volkswagen, Nikolay Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb bei Audi, und Sanjay Ravi, General Manager Automotive Industry von Microsoft, über die Transformation der Autobranche.

Ford hatte jüngst angekündigt, in Europa 12.000 Stellen streichen zu wollen, nachdem der Autohersteller stark in die Verlustzone gerutscht war. Die enormen Einschnitte seien laut Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann nur ein Schritt, um ein Mindestmaß an Profitabilität zu erreichen. Herrmann nennt den Jobabbau „hochemotional“. Ihm selbst gefalle nicht, dass dieser ad hoc passiere und die Umstellung der Fabriken in sehr kurzer Zeit von statten gehen müsse. „Die Restrukturierung ist ein Ansatz, um Ford wieder genesen zu lassen“, sagte er in der Runde.

In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde sich beim US-amerikanischen Autohersteller noch viel ändern. Ford habe viele Kapazitäten im Bereich Powertrain und müsste gleichzeitig viele neue Kapazitäten für Zukunftstechnik aufbauen. Und gerade im Bereich Elektromobilität kämpfe man damit, kein Premiumhersteller zu sein. „Das macht mir Kopfschmerzen“, sagte Herrmann.

Ihm sei wichtig, dass Fords Neuausrichtung transparent und „elegant“ ablaufe. Besonders schwierig sei der kulturelle Wandel bei Ford: Ein „Monster“ nannte Herrmann diesen Prozess.

Nikolay Ardey: Optimistisch bei der Ladeinfrastruktur

Nikolay Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb bei Audi, zeigte sich optimistisch in Sachen E-Auto-Laden. Die Infrastruktur dafür sei nicht mehr der größte „Pain Point“ der Elektromobilität. Die Entwicklung des Ladenetzes sei sehr schnell gegangen. „Es ist auch keine Frage des Geldes, denn Ladestationen sind sehr günstig im Vergleich zu Tankstellen für Kraftstoffe.“ Es sei eine Frage der Bürokratie.

Für den Chef-Forscher von Volkswagen, Axel Heinrich, ist die E-Plattform des Unternehmens ein Katalysator für Innovationen in den nächsten Jahren. Sie würde den Wandel enorm beschleunigen. Generell würden vor allem Menschen in Städten von den neuen Formen der Mobilität profitieren, für sie würde es künftig günstiger, von A nach B zu kommen. Für Menschen in ländlichen Regionen hingegen blieben die Kosten etwa gleich.

Die Preisträger im Überblick

Bei den Zulieferern wurden insgesamt vier Awards auf Basis von 337 Innovationen vergeben. Im Bereich „Chassis, Karosserie und Exterieur“ überzeugte Goodyear mit seinem Konzeptreifen „Oxygene“. Der Clou hierbei: In der Seitenwand des Reifens wächst echtes Moos. Mit seiner besonderen Lauffläche nimmt der Oxygene Wasser von der Straße sowie CO2 aus der Luft auf. Er versorgt so das Moos in seiner Seitenwand mit Nährstoffen. Der Prozess der Photosynthese wird in Gang gesetzt und Sauerstoff produziert. Der Oxygene soll auf diese Weise dazu beitragen, dass urbane Mobilität in Zukunft sauberer wird.

In der Kategorie „Automatisiertes Fahren und Fahrerassistenzsysteme“ setzte sich Bosch mit seiner integrierten Umgebung für Robo-Taxis durch. Hella gewinnt die Kategorie „Antrieb“ mit seinem „Dual Voltage Batteriemanagement System“. In einem Mild-Hybridfahrzeug lassen sich dadurch die herkömmlichen separaten Produkte wie 48-V-Batterie, 12-V-Batterie und DC-DC-Wandler innerhalb eines einzigen Produktes auf dem Bauraum einer konventionellen Bleibatterie abdecken. Continental überzeugt in der Kategorie „Interieur und Interface“ mit dem „Power Door Control“-System, das Fahrzeugtüren automatisch und sicher öffnet und schließt.

Daimler räumt bei den OEMs ab

Unter den Premiummarken erzielt die Daimler-Marke Mercedes-Benz die Spitzenposition, mit 112 Einzelinnovationen und mehr als doppelt so vielen Innovations-Indexpunkten wie die folgenden Premiumhersteller Audi und BMW. Zu diesem Erfolg haben insbesondere die neuen Modelle A-Klasse, B-Klasse und das SUV GLE beigetragen, mit Innovationen wie dem Abstandstempomaten mit Berücksichtigung der Topologie in der B-Klasse, dem unterstützenden Spurwechselassistenten und aktiven Nothalte-Assistent in A- und B-Klasse, Digital Light mit Symbolprojektionen in der Mercedes-Maybach S-Klasse (Kleinserie) oder dem Brennstoffzellen-Plug-In-Fahrzeug GLC F-Cell (Kleinserie).

Im Ranking der Volumenmarken erobert Hyundai dieses Jahr erstmals Platz eins. Zu den wichtigsten Innovationen zählen der Hyundai Kona EV als reichweitenstärkstes Elektroauto im Segment der kleinen SUV und der Mittelklassewagen Nexo. Neben seinem Brennstoffzellenantrieb verfügt er zum Beispiel über Totwinkel-Kameras, den Highway Driving Assist (teilautonomes Fahren) und die Remote Parking-Funktion, mit der erstmals ein Fahrzeug in diesem Segment vollautomatisch Ein- und Ausparken kann.

In den Technologiekategorien liegt Hyundai bei den alternativen Antrieben ganz vorn, die Schwestermarke Kia in der Kategorie „Fahrzeugkonzepte und Karosserie“. Ford wird innovationsstärkste Volumenmarke bei „Autonomes Fahren und Sicherheit“. Erstmals erhält mit Roewe (SAIC-Konzern) eine chinesische Marke einen Award, und zwar in der Kategorie „Interface und Vernetzung“.

Doch auch Hersteller aus Deutschland können dieses Jahr mit innovativen Technologien glänzen: Während der Sieg der Premiummarke in der Kategorie „Autonomes Fahren und Sicherheit“ den klassischen Markenwerten von Mercedes-Benz entspricht, zeigt der Sieg bei „Interface und Vernetzung“ eine erfolgreiche Erweiterung des Markenfokus. Audi wird innovationsstärkste Premiummarke bei den alternativen Antrieben. BMW erzielt den ersten Platz in der Kategorie „Fahrzeugkonzepte und Karosserie“, unter anderem mit dem BMW X2, der die beste Aerodynamik im Segment der mittleren SUV aufweist.

Über die Automotive-Innovations Awards

Der Automotive-Innovations Awards ist eine gemeinsame jährliche Auszeichnung des Center of Automotive Management (CAM) und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Das CAM in Bergisch-Gladbach wertet unter der Leitung von Prof. Stefan Bratzel seit 2005 die Innovationen der globalen Automobilhersteller aus. Für das Jahr 2018/19 wurden insgesamt 1.329 Produkt-Neuerungen bewertet.

Mit Material von dpa und PwC

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