Mit Strukturgrößen zwischen 10 und 2 Nanometer Hightech-Halbleiterfabrik in Europa?

Autor: Sven Prawitz

Der Streit um Huawei und die Coronakrise haben gezeigt, wie abhängig Europas Industrie bei Mikroelektronik von wenigen Lieferanten ist. Das soll sich künftig ändern.

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Wafer mit Mikrochips: Diese für die Elektronik wichtige Komponente soll künftig in der EU produziert werden.
Wafer mit Mikrochips: Diese für die Elektronik wichtige Komponente soll künftig in der EU produziert werden.
(Bild: TSMC)

Laut einem Bericht der „WirtschaftsWoche“ (11. Februar) prüft die Europäische Union den Bau einer neuen Halbleiterfabrik. Diese soll Mikrochips mit Strukturen zwischen 10 und 2 Nanometer herstellen, was dem aktuellen und künftigem Stand der Technik entspricht.

Zum Vergleich: Samsung und Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) starteten im vergangenen Jahr die Massenproduktion von 5-nm-Halbleitern. Die kleinsten Strukturen für den Automobilmarkt liegen momentan bei 7 nm. In der EU sollen künftig 20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Chips hergestellt werden, zitiert das Wirtschaftsmedium die Pläne der Politiker. Ende des ersten Quartals solle eine regionale Allianz für Mikroelektronik vorgestellt werden.

Einigen Automobilhersteller fehlen momentan Mikroelektroniken, um ihre Fahrzeugproduktion aufrecht zu erhalten. Laut einer Studie von IHS Markit können die OEMs deshalb alleine im ersten Quartal 2021 knapp 700.000 Autos nicht produzieren. AutoForecast Solutions prognostiziert einen Rückgang des Produktionsvolumens um knapp eine Million Fahrzeuge im Jahr 2021 aufgrund des Halbleitermangels.

VW will künftig direkt Mikrochips kaufen

Zunächst hatte der Streit um mögliche Spionagetechnik in Huawei-Produkten gezeigt, wie abhängig die europäische Industrie von einzelnen Lieferanten bei Mikroelektronik ist. Die Automobilindustrie ist im wesentlichen von TSMC abhängig. Der Auftragsfertiger deckt 70 Prozent der Automobil-Mikrochips ab (laut IHS Markit). Zum Gesamtumsatz von TSMC selbst trägt die Branche allerdings nur drei bis fünf Prozent bei.

Die Chips gehen allerdings nicht direkt zu den Automobilherstellern. Zulieferer wie Infineon, NXP oder Renesas stellen mit dieser wichtigen Komponente Mikrocontroller (MCU) für Steuergeräte her. Im aktuellen Audi Q7 sind beispielsweise 38 solcher MCUs verbaut.

Medienberichten zufolge sind BMW und Volkswagen längst in direkten Gesprächen mit den Halbleiterherstellern. VW prüfe nun, ob der Konzern die Komponenten direkt kaufen soll, um sie dann an seine Lieferanten weiterzugeben.

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Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility