Übernahme Neuer Top-10-Zulieferer: Faurecia kauft Hella

| Aktualisiert am 16.08.2021Autor: Sven Prawitz

Der französische Automobilzulieferer erhält die Mehrheit an Hella. Gemeinsam bilden die Unternehmen einen der zehn größten Zulieferer der Welt.

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Zuletzt ist Knorr-Bremse aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen. Nun erhält Faurecia den Zuschlag für das Hueck-Aktienpaket.
Zuletzt ist Knorr-Bremse aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen. Nun erhält Faurecia den Zuschlag für das Hueck-Aktienpaket.
(Bild: Hella)

Faurecia übernimmt den Zulieferer Hella. Das französische Unternehmen erhält ein Aktienpaket der bisherigen Eigentümerfamilie mit 60 Prozent der Firmenanteile. Faurecia zahlt 60 Euro pro Aktie – insgesamt knapp vier Milliarden Euro – und will darüber hinaus weitere Anteile zu diesem Preis erwerben.

Sollte es den Franzosen gelingen, 95 Prozent der Hella-Aktien zu erwerben, werde man den Zulieferer von der Börsen nehmen, erklärte Faurecia-Geschäftsführer Patrick Koller. Bedenken, Hella könnte im neuen Konzern verschwinden schloss Koller aus. Hella sei eine sehr wertvolle Marke, erklärte er auf deutsch in einer Pressekonferenz.

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War auch Mahle interessiert?

Komplett aussteigen wird die Familie Hueck allerdings nicht: Wie Hella mitteilt, wird ein Vertreter der Familie dem Verwaltungsrat von Faurecia beitreten. Zudem erhält sie neun Prozent an der börsennotierten Dachgesellschaft, heißt es. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben und wird für Anfang 2022 erwartet.

Ende Juni ist Knorr-Bremse in die Verhandlungen um das 60-Prozent-Aktienpaket eingestiegen. Musste aber auf Druck der eigenen Anleger hin wieder aus dem Prüfungsprozess aussteigen. Zuletzt gab es Gerüchte, Mahle hätte sich ebenfalls für eine Übernahme interessiert. Der Stuttgarter Zulieferer benötigt dringend neue Geschäftsfelder, um die rapide sinkenden Umsätze mit Komponenten für Verbrennungsmotoren aufzufangen.

Zusammen über 20 Milliarden Euro Umsatz

Durch den Zusammenschluss von Faurecia und Hella entsteht ein Top-10-Zulieferer. Beide Unternehmen streben für 2021 einen Umsatz von 23 Milliarden Euro an und lägen damit in der Top-100-Liste von Automobil Industrie auf Platz 8, vor Michelin. Faurecia holt damit auf zu Magna – das um Veoneer buhlt – und ZF.

Patrick Koller zeigte zudem, welche Rolle Hella in der künftigen Organisation haben werde: In Lippstadt werden der Hauptsitz sowie die zentralen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Lichttechnik, Elektronik und den neu zu schaffenden Bereich „Lifecycle Value Management“ sein.

Bei Faurecia in Paris sind die drei Bereiche Sitze, Interieur und saubere Mobilität verankert. Zusammen komme man auf über 150.000 Mitarbeiter. Hella beschäftigte zuletzt knapp 36.000 Menschen. Als Gesamtkonzern will Koller eine bessere Marge erzielen, als es sich Faurecia und Hella bislang einzeln vorgenommen hatten. Der französische CEO begründet das Ziel mit Synergieeffekten, die die Kosten jährlich um bis zu 200 Millionen Euro senken sollen.

Familie Hueck fast 100 Jahre mit Hella verbunden

Der Verkauf des 60-prozentigen Pakets der weit verzweigten Gründerfamilie war notwendig, da der beim Börsengang im Jahr 2014 abgeschlossene Vertrag über ein gemeinsames Handeln bald ausgelaufen wäre. Danach wäre es schwieriger geworden, die Interessen der Eigentümer zu bündeln. Die Familie Hueck hielt seit 1923 die Mehrheit an dem 1899 gegründeten Unternehmen.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility