Wirtschaft

Asiatische Automobilhersteller in Europa

| Autor / Redakteur: Mario Hommen/SP-X / Thomas Günnel

Asiatische Automobilhersteller haben in Europa Fuß gefasst – und haben zahlreiche Auto- und Motorenfabriken auch in der EU, Kia zum Beispiel im slowakischen Zilina.
Asiatische Automobilhersteller haben in Europa Fuß gefasst – und haben zahlreiche Auto- und Motorenfabriken auch in der EU, Kia zum Beispiel im slowakischen Zilina. (Bild: Kia)

Einst versuchten asiatische Automobilhersteller ganz bescheiden mit kleinen Importfirmen in Europa Fuß zu fassen. Mittlerweile betreiben die Konzerne hier zahlreiche Auto- und Motorenfabriken – Millionen ihrer Autos sind Vollblut-Europäer.

Der US-Präsident ist nur ein schillerndes Beispiel für Schachteldenken, wenn es um Autos und deren Herkunft geht – er wettert schon lange gegen deutsche Automobilhersteller, die mit ihren Fahrzeugen sein Land fluten. Und deutsche Hersteller sowie Wirtschaftsexperten werden nicht müde zu sagen, dass doch die meisten dieser „deutschen“ Autos in Wahrheit echte Amis sind. Denn dort werden sie zum Teil entwickelt, vor allem aber gebaut. Und das hat in der Branche Methode, wie auch das Beispiel Europa zeigt, wo viele der vermeintlichen „Japaner“ oder „Koreaner“ in wesentlichen Teilen oder vollständig gebaut werden. Eine Übersicht.

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Slowakische Kia

Kia kommt bekanntermaßen aus dem weit entfernten Korea, doch viele ihrer hier verkauften Fahrzeuge entstehen ganz in der Nähe, nämlich im slowakischem Ort Zilina. In der modernen Fabrik werden seit 2006 Autos gebaut. Derzeit entstehen dort neben Venga und Ceed auch der erfolgreiche Sportage. Das SUV wurde laut des europäischen Herstellerverbandes ACEA im vergangenen Jahr 185.990 Mal in der EU hergestellt, während vom Venga 24.164 Stück und vom Ceed 84.137 Exemplare produziert wurden.

Letzterer dürfte angesichts seiner frisch gestarteten Neuauflage wieder deutlich zulegen und vermutlich auch in Zukunft in Deutschland das beliebteste Kia-Modell bleiben. Das hat auch seinen Grund, denn das Kompaktmodell wurde unter anderem in Deutschland designt und entwickelt. Insgesamt gut 300.000 Autos hat Kia vergangenes Jahr in der EU montiert.

Tschechische Hyundai

Weitere 340.000 Autos hat der koreanische Autokonzern in Europa unter dem Label Hyundai beigesteuert. Ganz in der Nähe von Zilina, allerdings im Nachbarland Tschechien, liegt das Werk Nošovice, wo derzeit vor allem das SUV-Modell Tucson entsteht. Im vergangenen Jahr wurden dort immerhin fast 218.000 Exemplare produziert, gefolgt vom Kompaktmodell i30 (rund 92.000 Autos) sowie dem Venga-Bruder ix20, der über 30.000 mal gebaut wurde.

Neben dem großen Werk in Tschechien unterhält Hyundai außerdem ein großes Entwicklungszentrum in Rüsselheim sowie ein Test- und Entwicklungscenter am Nürburgring. Dem Engagement in der Eifel haben die Koreaner auch ihre sportlichen N-Modelle auf i30-Basis zu verdanken, die sich von Nošovice bis in die Herzen vieler Sportwagenfreunde gefahren haben.

Suzuki ersetzte Lada und Skoda

Eine weitere asiatische Marke, die in einem ehemaligen Ostblockstaat produziert, ist Suzuki. Die Japaner waren die ersten, die nach der marktwirtschaftlichen Öffnung Ungarns angesichts des großen Bedarfs nach modernen Industriearbeitsplätzen gute Bedingungen für sich aushandeln konnten. In den 90er- und Nullerjahren wurden die Ladas und Skodas unter anderem dank steuerlicher Vorteile vor allem von Suzukis ersetzt, die zwischenzeitlich das Straßenbild des Landes dominierten.

Früher baute Suzuki im Werk Esztergom Modelle wie Swift, Ignis, SX-4, Alto und Agila. In Hochzeiten, wie etwa 2008, waren es über 280.000 Autos. Heute werden in Esztergom die Baureihen S-Cross und Vitara gebaut. Der Löwenanteil fiel 2017 auf den Vitara mit rund 122.000 Exemplaren, während der SX4 S-Cross etwa 54.000-mal produziert wurde.

Nissan „Made in England“

Neben einer Konzentration von Autofabriken in Osteuropa gibt es außerdem noch ein zweites Zentrum asiatischer Hersteller: England. Ein echter Riese dort ist Nissan. 1986 wurde in Sunderland die erste Fabrik in Anwesenheit der damaligen Landeschefin Margaret Thatcher eröffnet. Zunächst produzierten 500 Mitarbeiter jährlich 5.000 Fahrzeuge wie den Bluebird. 20 Jahre später wurde bereits das dreimillionste Auto gebaut, bis 2014 erhöhte sich die Zahl auf 7,7 Millionen Nissan „Made in England“. 2017 wurden in dem Werk, das 2008 auf Dreischichtbetrieb umgestellt hat, mit Leaf, Juke, Micra, Pulsar und Qashqai gleich fünf Baureihen produziert.

Der Löwenanteil mit etwa 347.000 produzierten Einheiten geht auf das Konto des Quashqai. Dem gegenüber stehen fast 105.000 Juke sowie 94.066 Micra. Bescheiden lief es für den Pulsar mit etwa 23.000 Einheiten, während der Leaf als E-Auto wiederum stolze 16.767 mal in Sunderland vom Band lief. Nimmt man noch die rund 27.000 Q30 der Schwestermarke Infiniti hinzu, wurden deutlich über 600.000 Autos von Nissan vergangenes Jahr innerhalb der EU gebaut.

Ebenfalls in England, allerdings derzeit auf etwas bescheidenerem Niveau, lässt Honda produzieren. Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es die Autofabrik in Swindon. Diesem ersten Werk folgten eine Motorenfabrik sowie Anfang der Nullerjahre ein zweites Autowerk. Neben dem Accord entstand dort der zwischenzeitlich sehr erfolgreiche Civic. An die einstige Kapazität von 250.000 Autos pro Jahr ist Honda 2017 nicht mehr herangekommen. Neben rund 41.000 CR-V entstanden in Swindon gut 123.000 Civic.

Toyota in Frankreich

In gleich mehreren Ländern und in wiederum deutlichen höheren Stückzahlen lässt Toyota in Europa Autos herstellen. Flaggschiff ist die Yaris-Fabrik im französischen Onnaing, wo vergangenes Jahr fast 234.000 Exemplare der Kleinwagen-Baureihe entstanden. Im englischen Burnaston bauen die Japaner zudem die Kompaktbaureihe Auris – letztes Jahr etwa 119.000 Stück. Ebenfalls entstanden dort 25.000 Einheiten des mittlerweile eingestellten Avensis. Schließlich haben in Tschechien, genauer gesagt in Kolin, aus der zusammen mit PSA betriebenen Fabrik knapp 90.000 Aygo den Weg zu europäischen Kunden gefunden.

Insgesamt kamen so fast 370.000 Toyota aus Ländern der EU. Das Euro-Netzwerk des Konzerns spannt sich allerdings noch deutlich weiter. Motorenwerke in Polen sowie Autofabriken in St. Petersburg (Camry, RAV4) und im türkischen Arifiye (Corolla, C-HR und bis vor kurzem Verso) sind weitere wichtige Standorte innerhalb Europas.

Von den rund 17 Millionen innerhalb der EU-Staaten im vergangenen Jahr produzierten Pkw stammen also gut zwei Millionen Fahrzeuge allein von Herstellern aus Korea und Japan, die oftmals neben der Produktion auch viel Entwicklungsarbeit in europäische Länder verlagert haben.

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