Auto Shanghai Zulieferer auf der Auto Shanghai: E-Mobilität und Konnektivität

Autor: Sven Prawitz

Wachsen können Zulieferer vor allem auf dem chinesischen Markt. In Shanghai zeigen die Unternehmen mit welchen Produkten das gelingen soll.

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Die Auto Shanghai ist momentan die einzige große Automobilmesse, die stattfinden kann.
Die Auto Shanghai ist momentan die einzige große Automobilmesse, die stattfinden kann.
(Bild: Marelli)

Die Automesse in Schanghai zieht momentan die Aufmerksamkeit der Branche auf sich. Die Premieren und neuen Modelle der Fahrzeughersteller auf der Auto Shanghai 2021 zeigen zwei Trends: E-Mobilität und Fahrerassistenzsysteme. Während die deutschen OEMs auf eine Kombination aus Premium und E-Antrieb setzen, wollen die chinesischen Autobauer mit umfangreichen Technikpaketen punkten.

Beide Trends wollen und müssen die Automobilzulieferer bedienen. Wir berichteten bereits über die Ambitionen von Huawei als Systemlieferant in die Autobranche einzusteigen. Der Elektronik-Riese unterstrich dieses Bestreben indem das Unternehmen ein Fahrerassistenzsystem ankündigte. Dafür hat Huawei einen eigenen Automotive-Chip inklusive Betriebssystem entwickelt.

Bosch stellte auf der Messe ebenso seine Halbleiterprodukte in den Mittelpunkt, wie Georges Andary im Gespräch mit »AI«-China mitteilt. Besonderes Augenmerk liege Andary zufolge dabei auf Elektronik mit Siliziumkarbid, das vor allem Elektroantriebe und deren Steuerungen effizienter machen soll. Die Elektrifizierung der Antriebstechnik sieht der General Manager von Bosch Automotive China als größten Trend des chinesischen Automarkts. Gefolgt von Konnektivität und personalisierten Funktionen.

Brennstoffzelle in Le Mans

In den beiden letztgenannten Bereichen ist auch Faurecia tätig. Ein Demonstrator zeigt ein Multimodales HMI, das zusammen mit Horizon Robotics entwickelt wurde. Das Konzept besteht aus Bedienelementen auf den Armlehnen der Vorder- und Rücksitze. Ergänzt wird das HMI durch ein zusätzliches Display unterhalb des Zentralbildschirms. Neu ist zudem ein Lichtsystem, das in die Sitze integriert ist. OEMs könnten damit ein differenzierendes Innenraumdesign umsetzen, teilt der Zulieferer mit. Entwickelt wurde es mit Forschern der Universität Shanghai.

Symbio, das Joint Venture von Faurecia und Michelin, stellt ein Multi-Stack-System vor für Brennstoffzellen in Schwerlast-Lkw bis 44 Tonnen. Das modulare System lässt sich mit einer Nettoleistung von 150 kW, 225 kW oder 300 kW umsetzen. Was die Technik leisten kann, soll ein damit ausgerüsteter Rennwagen beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans zeigen. Um die Wertschöpfung auszubauen, hat Faurecia vor wenigen Wochen den Drucktankhersteller CLD gekauft.

Faurecia will sein Chinageschäft deutlich ausbauen, erklärt François Tardif, Geschäftsführer der chinesischen Gesellschaft des Zulieferers im Gespräch mit »AI«-China: „Wir wollen bis 2025 unsere Umsätze in China auf fünf Milliarden Euro im Jahr steigern. Das wäre der doppelte Umsatz im Vergleich zu 2020.“

Radar und Software-Autoschlüssel

Marelli möchte auf und mit dem chinesischen Markt ebenfalls wachsen. Der Zulieferer, der im Jahr 2019 aus der Fusion von Calsonic und Magneti Marelli hervorging, zeigt sein E-Antriebsportfolio inklusive Thermomanagement. Das Unternehmen könnte nach eigenen Angaben das gesamte Energiemanagement eines Fahrzeugs liefern. Man verfolge hier einen „Tier-0,5-Ansatz“.

Als einen der wichtigsten Geschäftsbereiche nennt Marelli Automotive Lighting. Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen WHST will man Radarsensoren in Scheinwerfer und Rückleuchten integrieren.

Speziell für den chinesischen Markt hat Hella einen Software-Autoschlüssel entwickelt. Installiert auf einem mobilen Endgerät kann das Fahrzeug per Bluetooth-Schnittstelle geöffnet beziehungsweise verriegelt werden. Der Nutzer muss das Smartphone oder Tablet dafür nicht bedienen. Das Schließsystem wird angesteuert, sobald der Besitzer oder Kunde sich dem Auto nähert. Laut Hella können Betreiber von Firmenflotten und Carsharing-Diensten den Zugangsschlüssel über die App teilen.

Der vor einem Jahr durch eine Fusion neu entstandene Zulieferer Hitachi Astemo hat eine neue Motorsteuerung für elektrifizierte Antriebe entwickelt. Das modulare Design könne an die Spannungs- und Stromanforderungen angepasst werden. Die Spannungsfestigkeit beträgt laut Hitachi zwischen 700 und 1.200 Volt. Die Entwickler setzen bei der Elektronik auf IGBT-Technik und wollen damit die gleiche Leistung wie mit SiC unter 800 Volt erreichen.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility