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Consumer Electronics Show Ausblick: Die Automobilzulieferer auf der CES 2020

| Autor: Hartmut Hammer, Sven Prawitz

Die CES eröffnet bald das Messejahr 2020. Wir geben einen Ausblick auf die Themen einiger Automobilzulieferer.

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Für die transparente Motorhaube wurde Continental bereits mit dem CES 2020 Innovation Award ausgezeichnet.
Für die transparente Motorhaube wurde Continental bereits mit dem CES 2020 Innovation Award ausgezeichnet.
(Bild: Continental)

Zu Beginn des neuen Jahres gibt wieder die Consumer Electronics Show in Las Vegas (7. bis 10. Januar) einen technologischen Ausblick auf das Jahr 2020. Der Messeveranstalter erwartet über 4.500 Aussteller und mehr als 170.000 Besucher. Zwischen den Jahren 2008 und 2019 sei die Zahl der Besucher aus dem Bereich „Senior Executive“ um mehr als 100 Prozent auf fast 80.000 gestiegen.

Auch zahlreiche Automobilzulieferer werden wieder auf der CES vertreten sein. Wir geben einen Ausblick auf Themen einiger Aussteller.

Aptiv

Bei einer CES-Vorschau unterstrich Michael Gassen, President EMEA & Russia und Senior Vice President Sales von Aptiv, die große Bedeutung der CES für das Unternehmen: „Wir sehen die Messe als eine der wichtigsten Plattformen zum Austausch mit unseren Kunden, Lieferanten und Investoren.“

Auf der Messe will Aptiv sein Portfolio an Hardware (Kabelsätze, Konnektoren, Prozessoren, Sensorik) und seine Softwarekompetenz zur Entwicklung von automatisierten Fahrfunktionen ins rechte Bild rücken. Michael Gassen: „Wir stellen in vielen Kundengesprächen einen enormen Bedarf an modernen elektrischen und elektronischen (E/E-)Architekturen fest. Denn die vielen künftigen automatisierten Fahrfunktionen werden mit herkömmlichen Bordnetzen weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll darstellbar sein.“

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Als Lösung für moderne automatisiert fahrende Automobile hat Aptiv die Smart Vehicle Architecture (SVA) entwickelt. Sie soll mit ihren zentralen Hochleistungsprozessoren, smarten Sensoren und Zonencontrollern sowie einer Ringtopologie für hohe Rechenkapazitäten und Bandbreiten mit maximaler Skalierbarkeit und funktionaler Sicherheit sorgen. Ein weiterer Vorteil der SVA ist laut Aptiv die sinnvolle Partitionierung von Teil-Kabelsätzen, die dadurch automatisiert – und somit in besserer Qualität als in Handarbeit – und zudem kostengünstiger gefertigt werden können.

Einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die neuen Architekturkonzepte sieht Gassen im breiten Kompetenzportfolio von Aptiv: „Wir haben die Bereiche Kabelsätze, Konnektoren, Prozessoren, Sensorik sowie Software- und Funktionsentwicklung alle inhouse im Unternehmen.“

Sein aktuelles Portfolio hat Aptiv über die letzten Jahre nicht zuletzt durch Kooperationen (etwa mit BMW, Mobileye und Intel, sowie den Mobilitätsdienstleistern Transdev und Lyft) und Zukäufe aufgebaut. Beispielsweise hat der Zulieferer durch die Akquisition von Nutonomy seine Kompetenzen im Bereich künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Softwarestacks erweitert. Neuestes Highlight ist ein Joint Venture mit Hyundai Motors, das die Softwarestacks für automatisiert fahrende Fahrzeuge des Unternehmens entwickeln soll.

Standort: Außenbereich, Beach Lot

Continental

Der zuletzt gebeutelte Zulieferer Continental zeigt in Las Vegas seine Vision der Mobilität der Zukunft. Dabei sollen nicht nur die Fahrzeuge selbst, ihre Verbindung zum Fahrer und zur Umwelt im Fokus stehen, sondern der gesamte Lebensraum Mobilität in der intelligenten Stadt von morgen. Die Hannoveraner haben sich für die CES 2020 einige Weltpremieren vorgenommen, darunter ein Kontakt-Sensorsystem. Dieses soll – während das Fahrzeug geparkt ist – erkennen können, ob es touchiert wurde. Weitere Weltneuheiten sind die Anwendung der Ultra-Breitband-Technologie für einen schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug und ein Online-Kooperationsportal für Software-Integrationsprozesse.

Außerdem zeigt Conti ein HMI für autonome Fahrzeuge und der sogenannte „Transparent Hood“ hat bereits den CES 2020 Innovation Award gewonnen. Die Technik zeigt dem Fahrer den Bereich unter dem Vorderwagen und basiert auf dem Surround-View-System, das aus vier Satelliten-Kameras und einem Steuergerät besteht. Ein spezieller Bildverarbeitungsalgorithmus stellt die Bodenansicht sowie den Winkel und die Position der Vorderräder direkt im Display dar.

Standort: Hotel Renaissance, Ballroom I

Elektrobit

Die Conti-Tochter bietet außerhalb des Westgate Hotels (angrenzend an die North Hall) Testfahrten zu dem kürzlich eingeführten Produkt „EB Assist Test Lab“ an. Das Demo-Fahrzeug ist mit der neuen, cloudbasierten Software für ADAS- und autonomer Fahrzeugerprobung ausgestattet. Während der Fahrt werden Live-Daten gesammelt und Elektrobit-Experten zeigen, wie die Daten in die Cloud hochgeladen und mit der neuen Software analysiert werden können. Dieser cloudbasierte Testansatz von Elektrobit ermögliche es, den aktuell aufwändigen und kostspieligen, aber immer wichtiger werdenden Testprozess zu optimieren.

Neben der Probefahrt-Demo ist Elektrobit beispielsweise auch mit Technologie- und Produktdemos zusammen mit Amazon (Alexa Auto Integration) und Continental (OTA-Updates und HMI-Entwicklung) vertreten.

Amazon: North Hall, Stand 5616; Continental: Hotel Renaissance, Ballroom I

Faurecia

Auf der CES in Las Vegas ist Faurecia im kommenden Jahr mit zwei Messeständen vertreten. Zu den Highlights auf der Central Plaza zählen das neu gestaltete Interieur eines Ford F150 Pickup-Trucks, mit dem der Konzern sein breites Portfolio und seine Integrationskompetenz demonstrieren möchte. Außerdem zeigt der Zulieferer Brennstoffzellen-Stacks und Wasserstoffspeichersysteme – Das Unternehmen hat sich erst kürzlich an Symbio beteiligt.

Auf dem Platinum Lot, einem Fahrgelände, können Besucher elektrische Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantriebe Probe fahren. Außerdem kann man das immersive Klangsystem, Fahrerassistenzsysteme von Faurecia Clarion Electronics und einen Anhängerrangierassistenten erleben.

Standort: Außenbereich, Central Plaza CP3 und Platinum Lot PL3

Gentex

Gentex zeigt seinen Full Display Mirror mit neuen Funktionen. So hat das neue System einen Touchscreen und einen digitalen Videorekorder. Außerdem gibt es nun eine nach hinten gerichtete Infrarotbeleuchtung. Damit kann nachts der Bereich hinter dem Fahrzeug ausgeleuchtet und besser sichtbar werden.

Ein weiteres Thema werden Camera Monitoring Systems sein. Sowohl als Hybridanwendung mit in den Außenspiegeln integrierte Kameras, als auch voll digital ohne äußere Rückspiegel. Im Bereich Sensorik zeigt das Unternehmen zudem Kabinensensoren für die Luftqualität im Innenraum und spiegelintegrierte Kameras, die zum Beispiel die Blickrichtung und das Verhalten des Fahrers erfassen.

Standort: North Hall, Stand 9013

Infineon

Auf der CES zeigt das Unternehmen unter anderem kompakte, leistungsstarke Radarmodule und Lidarkomponenten für Fahrerassistenzsysteme in Fahrzeugen. Daneben stehen Sensor-Fusionstechnologien, Gateways im Fahrzeug und Vehicle-to-X-Kommunikationstechnologien. Ein weiteres Thema sind Sicherheitsbausteine, die die Datenintegrität, zum Beispiel bei Software-Updates, überprüfen. Darüber hinaus zeigt Infineon Power-Module und Batteriemanagementsysteme für den elektrischen Antrieb, Technik für den Innenraum wie beispielsweise kabelloses Laden oder Sensorsysteme, die den Zustand von Fahrer und weiteren Insassen erfassen, sowie elektronische Lichttechnik für eine verbesserte Sicht und Sichtbarkeit.

Standort: Westgate, Stand 1700

Mitsubishi Electric

Mitsubishi Electric wird einige Themen der diesjährigen Tokyo Motor Show aufgreifen. Darunter fallen hochpräzise Positionierungssysteme und Technik für das autonome Fahren. Der Zulieferer wird sich ebenso dem Thema Mobility as a Service widmen: In Tokyo gab es dazu eine Studie für einen automatisierten People Mover zu sehen. Mitsubishi Electric zeigte darin, wie Passagiere über Touchdisplays und mittels vernetzter Systeme eine Vielzahl von Dienstleistungen in Anspruch nehmen können.

Standort: North Hall, Stand 7529

Rinspeed

Auf die Studien Snap (2018) und Microsnap (2019) folgt nun der Metrosnap. Auch das aktuelle Konzept besteht aus einem Unterboden mit der zum Fahren notwendigen Technik – dem Skateboard – und einem wechselbaren Aufsatz – dem Pod –, der eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten und eine Nutzung rund um die Uhr ermöglichen soll.

Neu ist, dass die Batterien nun zwischen dem Pod und dem Skateboard aufgeteilt sind. Das Fahrzeug muss deshalb zum Laden nicht abgestellt werden, sondern erhält beim Beladen des Pods neue Energie. Rinspeed nennt diesen Vorgang Hot Swap. Rinspeed will die Idee der Snap-Studien auf den Markt bringen. Beim Metrosnap hat man nun einen „entscheidenden Schritt Richtung Serie getan“, sagt Frank Rinderknecht. Vor allem der Einsatz des an Flughäfen etablierten ULD-Systems von Jettainer bringe den entscheidenden Vorteil. Laut Rinderknecht funktioniert die Skateboard-Idee nur mit einer „einfachen, billigen, sicheren und erprobten Wechselsystematik“.

Für die aktuelle Studie hat Rinspeed wieder viele Partner in seinem Netzwerk, unter anderem Borbet, Dekra, Eberspächer, ESG Mobility, Harman, Ibeo, MHP, Osram, Schaeffler Paravan, Stratasys und TTTech.

Standort: North Hall, Stand 8516; bei Osram

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Rohm Semiconductor

Der Halbleiterhersteller zeigt eine aktualisierte Cockpit-Demo, die eine Vielzahl von Funktionen vorstellen soll. Darunter spiegellose Monitore, Ambientelichtsteuerung, drahtloses Laden und Herzfrequenzmessung. Eine spezielle Siliziumkarbid-Power-Demo soll außerdem die neuesten SiC-Produkte für Automobilanwendungen zeigen.

Standort: Hotel Venetian, Level 2, Raum Titian, Stand 2205

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Technikjournalist